Kaliningrad: Weder Russland noch Europa

04.04.20

Kaliningrad: Weder Russland noch Europa

Эксперты МГИМО: Окунев Игорь Юрьевич, к.полит.н., доцент

Okunew zufolge ist die Ostsee für die Kaliningrader Identität sehr wichtig: „Die Stadt sieht sich als eine Perle in der Kette von Kultur- und Handelszentren an der Ostsee.“ Es gebe aber noch keine gefestigte Stadtidentität, weil die Kaliningrader nicht länger als seit vier Generationen in der Stadt lebten, erklärt Okunew weiter.

Dem stimmt auch die in Kaliningrad aufgewachsene Wachruschewa zu: „Ja, wir reisen oft und kaufen andere Lebensmittel, aber sonst sind wir wie andere Russen. Und unsere besondere Identität wird gerade vom Verhalten des ,großen Russland‘ bestimmt – dort gelten wir als außerordentliche Russen.“

In den 1990er-Jahren, nach dem Zerfall der Sowjetunion, kamen viele deutsche Touristen nach Kaliningrad. Sie wollten den Ort sehen, an dem ihre Vorfahren gelebt hatten, erzählt Wachruschewa. „Aber jetzt ist Kaliningrad leider für deutsche Touristen nicht so interessant, weil es weder das echte Russland noch das echte Deutschland ist“, sagt sie. Dabei könnte genau das Touristen locken, denkt Okunew: „Kaliningrad – die Heimat von Kant und Hoffmann (Ernst Hoffmann, ein bekannter deutscher Schriftsteller der Romantik) – ist eine unterschätzte Werbung für Touristen. Ich hoffe, es ändert sich mit der Einführung der elektronischen Visa.“

Ja, Kaliningrad sei weder Russland noch Europa, bestätigt auch der Politologe Okunew: „Die Stadt ist der russische Traum von Europa, davon, wie Russland aussehen sollte, wenn es ein europäisches Land wäre. Daher ist die Identität der Kaliningrader so vielschichtig – es gibt etwas Deutsches, Baltisches, Sowjetisches und Russisches – und diese Mischung macht die Stadt so interessant.“

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Источник: Schwäbische Zeitung
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